Interview Wolfgang Thaler

Wolfgang Thaler hat als Kameramann in Extremsituationen gedreht, seine Bilder gehören zu den außergewöhnlichsten, die es im zeitgenössischen europäischen Kino gibt. Neben seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Ulrich Seidl an Filmen wie „Hundstage“, „Jesus, du weißt“, „Spaß ohne Grenzen“ hat er auch Michael Glawoggers radikale Reisefilme „Megacities“ und „Workingsmen Death“,

Andrea Maria Dusls Ostblock-Roadmovie „Blue Moon“ und zuletzt Pepe Danquarts Bergesteigerfilm „Am Limit“ fotografiert. Der gelernte Bienenzüchter ist aber auch Regisseur eigener Dokumentarfilme über Bienen, Ameisen oder Salz erfolgreich.


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Sie sind bekannt als Schöpfer grandioser, gewaltiger Bilder. Wie ist das, wenn man als Kameramann auf einen Regisseur trifft, der selbst starke Bilder im Kopf hat?

Wolfgang Thaler:
Die Aufgabe des Kameramannes ist ja nicht die, seine eigenen Vorstellungen in Bilder umzusetzen, sondern die Wünsche der Regie. Manchmal habe ich allerdings versucht, Ulrich Seidls Bilder ein wenig zu „entseideln“, ein wenig mehr Seele hineinzulegen, etwa, wenn ich Handkamera mache. Ulrich ist nicht mehr so strikt wie am Anfang, als wir uns zu unserer ersten Zusammenarbeit getroffen haben. Er lässt sich auch von anderen Bildern überzeugen, wenn er spürt, dass sie gut sind. Ulrich Seidl ist ein Mensch, der defintiv weiß, was er nicht will aber dennoch für alles andere offen ist.

Sehen Sie sich als Spezialist für Extremfälle, bei denen die meisten Menschen abwinken würden?

Thaler: Überhaupt nicht. Für mich war das extreme Arbeiten bloß die einzige Chance, mich als Kameramann zu etablieren. Es begann mit dem Angebot, nach Tibet zu gehen, vier Monate lang mit der Kamera am Rücken über 5000er-Pässe zu gehen. Das war meine Eintrittskarte in die Filmbrache. Aber ursprünglich war es kein Anliegen. Und ich mache ja, Gott sei Dank, auch harmlosere Filme.

„Import Export“ war ein anstrengendes Projekt. Drei Jahre lang wurde gedreht, in der Ukraine bei Minus 30 Grad, in Österreich unter Sterbenden. Geht das an die Grenze der Belastbarkeit?

Thaler: Ja, aber für mich ist das Normalbedingung. .